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Sesam oeffne Dich

Der Sesam öffne Dich und weitere Schätze

  • Mit einem anderen Blickwinkel auf die Suche nach Deinen Stärken gehen.
  • Wie aktives HINhören Dich weiterbringen kann.

Einfach kann jeder!

Neuer Job, neues Glück, neues Projekt - als Jobcoach/Arbeitsmarktpolitische Projekte. Euphorisch wartete ich auf die neuen Teilnehmer, die sich bei mir melden sollten. Der Einstieg war zuerst einmal das sogenannte „Profiling“.

Hier wird abgeklopft, ob die Teilnehmer motiviert ist und freiwillig teilnehmen will (keiner macht wirklich freiwillig eine sogenannte „Maßnahme“ vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit gerne mit!). Es werden die privaten Daten sowie der Lebenslauf aufgenommen und außerdem wird abgeklopft inwieweit der Teilnehmer geeignet ist.

Naja, trotzdem sitzen letztendlich Menschen in den Gruppentrainings die total unterschiedlich vom Niveau her sind. Vom Abitur bis zur Förderschule, ausgesprochen gute Artikulation bis hin zu gar keinen Deutschkenntnissen, hoch motiviert bis zur grenzenlosen Demotivation, Suchtthematiken verschiedenster Art, psychische Krankheiten der unterschiedlichsten Formen, private Problematiken, Krankheiten, Menschen mit Schwerbehindertenausweis, also die Liste ist endlos.

Jedenfalls sitzen 15 bis 20 Menschen dann in einem Raum und von allem ist dann etwas wie oben beschrieben dabei. So, lieber Trainer, dann schau mal zu wie Du das hin bekommst! Wenn Du jetzt denkst, wie kann „Frau“ sich so etwas antun, dann kann ich nur sagen, ich liebe diese Herausforderung, denn einfach kann ja jeder!

Sesam öffne Dich

Jedenfalls war wieder einmal „Profiling“-Zeit. Ich mache das überaus gerne denn dadurch komme ich super in den Erstkontakt mit den Menschen. Es ist spannend zu beobachten, wie die einzelnen Personen eintreten. Ich klopfe die Menschen nonverbal ab und weiß genau wie ich vorzugehen habe. Mein Sesam-öffne-Dich ist den Menschen so anzunehmen wie er ist. Egal ob dick oder dünn, gepflegt oder weniger gepflegt, intelligent oder weniger, mürrisch oder gut gelaunt, äußerst kritisch oder weniger. Das ist die Königsdisziplin! Viele meiner Kollegen sagen, dass sie das natürlich auch tun. Bullshit! Tun sie oftmals nicht und mir läuft es eiskalt den Rücken runter wenn ich beobachte wie so mancher mit arbeitslosen Menschen umgeht. Grottenschlecht!

Nicht vermittlungsfähig - geht nicht gibt´s nicht

Jedenfalls, da kam sie die Tür rein. Strahlende, fast funkelnde Augen, ein Lächeln auf den Lippen, fröhlich und gut gelaunt grüßte die Dame mittleren Alters als sie in mein Büro hereintrat. Ich merkte sofort, hier ist Potential. Wir kamen angeregt ins Gespräch und es war fast so, als kannten wir uns schon ewig. Ich hüpfte fast vor Freude, endlich mal was Aussichtsreiches auf den ersten Blick – ja, fast schon was Einfaches. Sagte ich nicht eben, einfach kann jeder?! Tja, welchen Knackpunkt wie oben beschrieben suchen wir uns aus? Den Knackpunkt „Schwerbehinderung mit 50%“! Mir fiel die Klappe, so ein Mist, das wäre ja auch zu schön gewesen. Zu allem Überfluss kam die Dame auch noch aus der Gastronomie, von der Pike auf gelernt und zuletzt selbständig. Mit der Krankheit kam das Aus. Oh Mann, meine Aufgabe ist die Vermittlung, daran wird das Unternehmen und auch ich zuletzt gemessen. Was tun? Mein Chef sagte: „Keine Chance, nicht vermittlungsfähig!“. Doch bei Claudia herrscht zuerst einmal der Gedanke: „Geht nicht, gibt’s nicht“.

HINhören statt ZUhören!

Naja, knackig war das schon, das gebe ich zu. Doch zuerst einmal muss ich die Leute auch kennen lernen. Wie geben sie sich im Einzelgespräch, wie in der Gruppe. Das Projekt war an Praktika gekoppelt. Wir hatten beide keine Idee für ein Praktikum, aufgrund der Krankheit. Als die restliche Gruppe sich im Praktikum befand, saßen wir zwei alleine im Unterrichtsraum. Wir redeten, überlegten und bereiteten schon einmal die Bewerbungsunterlagen vor. Zu reden gab es immer viel und beide empfanden wir die gemeinsame Zeit schon sehr angenehm. Ich hörte hin, generell höre ich ganz viel und auch genau hin, wenn Menschen mir etwas erzählen.

Ausgang mit Happy End

Und so erzählte sie, von ihrer Großmutter die im Seniorenheim lebte und das sie mit ihrer Mutter die Oma regelmäßig besucht. Sie berichtete, dass sie ab und an ihre Gitarre mitnimmt und nicht nur für und mit der Oma singt, sondern dass auch die anderen Mitbewohner sich immer auf die beiden Frauen freuen und sehr gerne mitsingen. Sie kümmerte sich um die anderen Bewohner, unterhielt sich mit den älteren Menschen und sie erzählte das mit einer derartigen Selbstverständlichkeit, das ich einfach nur noch geplättet war und sie schließlich fragte: „Warum machen Sie eigentlich keine Fortbildung zur Betreuungskraft“? Erstaunt schaute sie mich an und meinte: „Ja, kann ich das denn“? „Na, wenn nicht Sie wer sonst?!“ erwiderte ich. Kaum gesagt, wurde getan. Ich nahm das Telefon zur Hand und nahm Kontakt zu verschiedenen Seniorenheimen auf. Ruckzuck war die Bewerbung draußen und die Frau so schnell im Praktikum, so schnell konnten wir gar nicht schauen. Sie hatte ihre Berufung nach der Gastronomie gefunden, trotz Krankheit! Es war noch ein längerer Weg bis sie endlich die Fortbildung in der Tasche hatte, doch was soll ich sagen?! Heute arbeitet sie schon seit 4 Jahren in diesem Beruf und ist glücklich! Soviel zum Thema: „Ist nicht vermittelbar!“.

Mein Tipp: Suche Deine Stärken weniger im beruflichen Teil sondern im privaten. Was machst Du gerne, was kannst Du richtig gut, was fällt Dir leicht und woran hast Du Spaß. Sehr oft lässt sich hierüber eine Brücke zum Beruflichen bauen. Daher arbeite ich auch sehr gerne mit dem ProfilPASS - eine super Methode, die Stärken und Fähigkeiten in anderen Bereichen wie Hobbies und Interessen, Haushalt und Familie, Freiwilliges Soziales Jahr, Ehrenamt oder besondere Lebenssituationen herauszufiltern. Ja, die Methode ist aufwendig, doch wie haben wir gelesen: Einfach kann jeder! Des Weiteren ist das HINhören ein äußerst wichtiges Kriterium. Ich muss nicht die ganze Zeit reden, sondern HINhören wie in dem Buch „Momo“. Suche Dir jemanden, der über diese Fähigkeit verfügt.

Zuletzt das Annehmen der Menschen egal wie sie aussehen, woher sie kommen etc. Wenn Du Dich fragst, warum Du mit bestimmten Menschen Schwierigkeiten hast, dann hinterfrage Dich wirklich ganz genau, ob Du den Menschen so annimmst wie er ist, ohne Vorbehalte und Vorurteile…

 

17. 07. 2020 | Claudia Spengler

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