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Die Krise als Chance: Vom Coach zum Alltagsbegleiter

Die Krise als Chance: Vom Coach zum Alltagsbegleiter

  • Warum es so wichtig ist, seine Werte zu leben
  • Weshalb es von Bedeutung sein kann, zu fokussieren
  • Wie Veränderung zu neuen (alten) Erkenntnissen führen kann


Der Ist-Zustand

Ein ganzes Jahr zieht sich die Krise nun durch und irgendwie ist kein Ende in Sicht. Wenn mir das alles jemand vorher erzählt hätte, wäre meine Antwort gewesen: „Ja, ja… spinn´weiter!“

Als Coach und Trainerin ist es derzeit verdammt schwer Aufträge an Land zu ziehen. Die Unternehmen haben sich total zurückgezogen und ein guter Bekannter von mir sagt: „Entweder haben die Unternehmer jetzt keine Zeit für ein Coaching oder kein Geld mehr.“ Schwarz-Weiß Denken pur, doch die bittere Wahrheit.

Seit Monaten werde ich regelrecht „erschlagen“ von Marketing-Experten, die mir ihre Online-Angebote aufdrücken möchten, egal auf welchem Social-Media-Kanal, mich nervt das nur noch. Schauen die Herrschaften eigentlich einmal auf meiner Homepage vorbei? Dort entdecken sie nämlich, wenn sie sich die Mühe machen, das ich Online-Angebote im Programm habe und das auch schon vor der Corona-Zeit.

Hinzu kommen die Verlage, die denken, ich müsste unbedingt ein Buch schreiben. In regelmäßigen Abständen immer wieder die gleichen Anbieter – einmal per E-Mail und dann über die Homepage. Ich ignoriere das alles nur noch.

Sogar meine Coaching Kollegen bieten mir ihre Expertise an. Über sämtliche Kanäle suggerieren sie mir, dass sie für mich da sind. Alles „Bullshit“, denn ihnen geht es nur um das reine Business und die anfänglichen Stimmen die von Solidarität in dieser Zeit sprachen, verstummen auch immer mehr. Hier gibt es nichts Persönliches mehr, keine Nachfragen „Hey, wie geht es Dir“, bestenfalls Lügen, wie gut doch das eigene Geschäft floriere oder eben gar keine Aussagen. Diese Oberflächlichkeit kann ich schon lange nicht mehr ertragen und somit habe ich entschieden, mich von dem Ganzen zu distanzieren. Loslassen! Loslassen von Menschen die mir nicht gut tun, loslassen von Titeln die mir nichts bringen, loslassen von Dingen die mich nicht mehr überzeugen.


Du bist zu negativ!

 

Warum nicht ehrlich sagen, was Sache ist? Diese Frage stelle ich mir schon seit längerem. Meine liebe Freundin, mit welcher ich regelmäßig telefoniere, hat die Antwort für mich. Es sind die Werte, der Menschen! Also meine obersten Werte sind Ehrlichkeit, Wertschätzung und Freiheit. Natürlich weiß ich, dass ich damit zu den Dinosauriern gehöre, doch das bin ich und das lebe ich. Ich verbiege mich nicht mehr in diesem Leben, dafür bin ich zu alt. Wenn ich nun ehrlich meine Meinung sage, höre ich nur: „Du bist so negativ, du bist zu kritisch.“

Das verwundert mich immer wieder, denn ich bin doch ganz einfach nur ehrlich, wo ist denn bitteschön das Problem? Meine Freundin hilft mir auf die Sprünge. Wenn der oberste Wert eines Menschen der Selbstwert ist, wird er oder sie wohl kaum darlegen, dass die Geschäfte schlechter laufen – denn, das ist alles eine Form der Wahrnehmung. Wenn ich eine total andere Wahrnehmung auf die Dinge um mich herum habe, ist die Chance natürlich größer, das Umfeld in einem anderen Licht zu sehen und somit vielleicht positiv (eventuell auch positiver als es ist?!).

Was das Gute daran ist? Wenn ich positiv an Dinge heran gehe, habe ich bessere Ressourcen die mich auf jeden Fall eher weiter bringen als ständige, negative Gedanken. Obwohl dann gleich wieder mein Teufelchen auf der Schulter tanzt und sich kaputt lacht: „Ja, setze die rosarote Brille auf und es ist alles gut auf dieser Welt!“ Solche Menschen kenne ich durchaus auch und ich finde das gruselig, denn dort weicht die Selbstwahrnehmung ganz deutlich von der Fremdwahrnehmung ab. Also heißt es wieder die goldene Mitte finden. Ich selbst kann mich derzeit nur mit Menschen umgeben, die meine Werte leben bzw. verstehen. Zudem kann ich auf „DU-Botschaften“ vollkommen verzichten.


Was ist die Lösung?

 

Ich kenne Menschen, die trifft die Krise nur wenig. Wenn ich in dem Haus meiner Eltern lebe welches abbezahlt ist, einen Partner habe der Geld verdient und ich gerade mal keine Aufträge habe, ja dann kann ich locker durch die Hose atmen. Es gibt aber Menschen die stehen vor dem totalen Ruin. Keine Rücklagen gehabt oder diese bereits aufgebraucht (bedenke, inzwischen reden wir von einem ganzen Jahr!), Arbeitsverbote, zu wenige Hilfen oder gar keine. Da brauche ich einen ruhigen Geist und sehr gute Ressourcen um kreativ zu werden, das bedeutet – eine Lösung muss her, doch welche?

Ein guter ehemaliger Kollege erzählt mir von einem Fall, in welchem der Dozent zuvor 40 € die Stunde verdient hat und jetzt für 18 € arbeitet. Um das hier einmal klar zu stellen, wir sprechen von einer Selbständigkeit. Rechnen könnt Ihr nun selbst… Oder der Fotograf, der keine Aufträge mehr hatte und etwas komplett anderes macht. Mein ehemaliger Mentor, der viele Jahre erfolgreich als Unternehmensberater gearbeitet hat, ist nun in einer Anstellung als Lehrer bis er in zwei Jahren in die Rente geht.

Das sind Schicksale, die mich aufhorchen lassen. Ich freue mich für die Menschen von ganzem Herzen und bin dankbar für die Ehrlichkeit, womit wir wieder einmal bei den Werten sind.

Soeben habe ich auch gelesen, dass die Mitarbeiter von einem Bildungsträger, die ebenfalls sehr leidgeprüft sind in dieser Krise, nun vorübergehend in einem Altersheim arbeiten, da dort ein enormer Bedarf ist. Also ist die Lösung, vorübergehend den Job zu wechseln?


Den Bedarf fokussieren

 

Ich für mich habe den Bedarf gefunden, der bei mir in der Region herrscht und auch vorübergehend den Job gewechselt.

Mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten unterstütze ich ältere Menschen in ihrem Alltag. Dort ist vieles zur Last geworden, die einfachsten Dinge sind nicht mehr durchführbar und die Dankbarkeit und Wertschätzung sind enorm, die mir regelrecht zufliegt! Bingo, ein weiterer meiner Werte erfüllt.

Da ist die ältere Dame, die ihren Haushalt nicht mehr führen kann. Sie geht am Rollator und kann nicht mehr so gut hören und sehen. Während ich sie zu Hause unterstütze, liest sie ihre Tageszeitung von Anfang bis Ende und berichtet mir wie gerne sie den Sportteil liest und das sie früher regelmäßig mit ihrer Clique im Fußballstadion war. Wenn ich morgens komme, steht ein Schälchen mit leckeren Schokokeksen auf dem Tisch für mich und wenn ich diese nicht ganz aufgegessen habe, werden sie eingepackt und mir zugesteckt.

Dann ist da noch der ältere Herr, der es einfach nicht mehr schafft, sein Bett selbständig zu beziehen und vorsichtig anfragt, ob ich ihm auch seine Hemden bügeln könnte, das seine Tochter am Wochenende voraussichtlich nicht kommen kann, da es in der Firma einen Corona-Fall gibt.

Eine andere Dame hat es sich nicht nehmen lassen, mir an Heiligabend eine Weihnachtstüte mit Leckereien und einer wunderschönen Blume vor die Tür zu stellen.

Menschen in ihrem Alltag zu begleiten und zu unterstützen, das ist das was ich zurzeit mache um einigermaßen über diese Krise zu kommen, denn die Kosten laufen weiter und es interessiert niemanden wie ich diese zahle. Das ist ein Fakt und ehrlich. Kein rosarotes Geplänkel und durchweg positives Gelaber, die Wahrheit halt.



In Demut üben und dem Herzblut folgen

 

Also übe ich mich, solange dieser Zustand hier anhält, in Demut. Was ist eigentlich Demut? Das Internet hat die Antwort! In Wikipedia heißt es, heruntergebrochen gibt es zwei Wörter: „Dienen und Mut“. Das gefällt mir richtig gut. Weiterhin lese ich bei Yoga Vidya: „Demut ist eine Art der stillen Liebe und wer in sich selbst ruht, kann tief empfundene Demut haben. Er braucht sich nicht aufblasen, er braucht nicht vorzugeben etwas zu sein was er nicht ist.“

Aha, da ist er wieder mein oberster Wert, die Ehrlichkeit! Dann lese ich noch: „Demut heißt auch Respekt vor den Fähigkeiten und dem Beitrag anderer.“ Tja, was soll ich sagen und hier schlägt mein Coaching-Herz Purzelbäume.

Eines weiß ich jetzt mit Sicherheit, solange diese Krise hier anhält werde ich meinen neuen Job ausüben, doch mein Herzblut ist immer noch das Coaching und das Training, dies wurde mir absolut bewusst! Ich freue mich riesig wieder in einen „richtigen“ Seminarraum zu gehen und meine Themen zu „rocken“ mit Menschen in Fleisch und Blut, die vor mir sitzen, wir alle so richtig Spaß haben und zudem noch etwas lernen. Ich freue mich auf die Coachings in Präsenz in meinen neuen Räumlichkeiten und interaktiver Gestaltung, denn ich bin „over onlined!“

Was mir noch ganz besonders am Herzen liegt, ist das „Waldbaden“. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie es mich danach zehrt!

Das ist mein Ziel, meine Perspektive mein volles Sein – etwas was wir alle brauchen in dieser Zeit. Vielleicht integriere ich auch einen weiteren Wert in mein Leben…Welchen wohl?!

Doch jetzt zu Dir, gehst auch Du auf die Suche? Was genau brauchst Du?



 

Mein Tipp

Mache Dich Deiner Werte bewusst und lebe sie. Deine Werte machen Dich als Mensch aus.

Lass Dir Feedback geben zu Deiner Selbstwahrnehmung von einer Person Deines Vertrauens und die es ehrlich mit Dir meint.

Habe den Mut, ganz Du selbst zu sein, das macht frei. Löse Dich von Menschen, die Dir nicht gut tun und richte den Fokus auf das was Dir wichtig ist im Leben.

Ganz wichtig: Glaube nicht alles was Du siehst und hörst!

Es gibt ein sehr schönes Zitat von Albert Einstein:

„Wer der Menge folgt, wird nicht weiter kommen als die Menge. Wer allein marschiert, wird sich wahrscheinlich an Orten wiederfinden, an denen noch niemand zuvor gewesen ist.“

Habe den Mut und begib Dich auf Deinen Weg!







17. 03. 2021 | Claudia Spengler

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