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In kleinen Schritten Selbstwert erlangen

In kleinen Schritten Selbstwert erlangen – komme ins Tun!

  • Warum es sich lohnt, aus dem Stillstand herauszukommen.
  • Wie es gelingt, mit kleinen Schritten mehr Selbstbewusstsein zu erlangen. 

Zu nett, zu brav und zu alltäglich

Sehr liebenswürdig, etwas schüchtern und dennoch dieser offene und neugierige Blick. Das war unsere erste Begegnung. Mein Coachee, eine Frau kurz vor der 50 mit Top-Bewerbungsunterlagen, durchgehend gearbeitet, zuletzt im Büro des Ehemannes, der selbständig ist.

Eine kaufmännische Ausbildung lag vor, verschiedene Betriebe in welchen die Dame Erfahrungen gesammelt hatte und nach der Erziehungsphase unterstützte sie ihren Mann mit der vorbereitenden Buchhaltung. Sie hatte bereits ein sehr professionelles Bewerbertraining durchlaufen, doch der Wunsch einer Bürotätigkeit in Teilzeit, blieb bisher aus.

Potentiale erspüren und aufdecken

Wir kamen lebhaft ins Gespräch und ich fragte mich nach dem Knackpunkt. Dieser lies nicht lange auf sich warten. Die Dame war von Geburt an gehörlos, doch inzwischen trug sie den „Mercedes“ im Ohr, wie sie mir stolz berichtete. Sie war sehr versiert mit der Technik, stellte unterschiedliche Funktionen über ihr Handy ein, welches mit dem Hörgerät verbunden war und ich spürte zu keiner Zeit, ihre Beeinträchtigung. Im Gegenteil, unsere Kommunikation verlief immer sehr flüssig, angeregt und auch humorvoll

Die Dame war sehr kreativ, interessiert und hochgradig motiviert. Sie wollte unbedingt arbeiten, am liebsten alleine in einem Büro ohne Kundenkontakt und wenig Telefon. Sie hatte einige negative Erlebnisse durchgemacht, daher war ihr Selbstwertgefühl etwas angeknackst.

Kandidatin mit Beeinträchtigung gefällig? Ja natürlich - nicht bei mir!

Eine Kassierer Tätigkeit im Einzelhandel wurde ihr gekündigt, da sie nicht schnell genug an der Kasse war. Die Umgewöhnung und die neue Geräuschkulisse hätten mehr Zeit gebraucht. Ein Vorstellungsgespräch auf einer Verwaltung mit Kundenkontakt scheiterte an der Frage: „Kommt ihr Hörgerät mit dem Geräuschpegel hier zurecht“? Ein weiteres Vorstellungsgespräch in einer Drogerie verunsicherte sie, weil sie nicht sofort auf eine Frage antworten konnte.

Hier musste erst einmal das Selbstwertgefühl aufgebaut werden. Eindringlich sagte ich mehrfach zu meinem Coachee: „Sie sind gut so wie Sie sind“!

Wir hatten viele intensive Gespräche. Dann das erste Vorstellungsgespräch, zu diesem ging mein Coachee an ihrem 50. Geburtstag (welch eine Motivation!) – der Arbeitgeber hatte das erst später wahrgenommen und sie bestimmt deswegen zu einigen Probearbeitstagen eingeladen. Ausgeschrieben war eine Position in Teilzeit in der Buchhaltung. Ihr wurde abgesagt, da der Plan war sie im Verkauf einzusetzen, jedoch aufgrund der Beeinträchtigung man Bedenken hatte.

Es folgten weitere Vorstellungsgespräche in welchen mein Coachee sogar anbot, einen Zwischenstecker für die Telefonie auf ihre Kosten zu besorgen. Dieses Wunderteil der Technik war eine wertvolle Unterstützung, kam allerdings nicht zum Einsatz, da sich niemand bereit erklärte diesen Test in einem Probearbeitstag zu befürworten.

Und immer wieder: „Du bist gut so wie Du bist“!

Eine Arbeitsaufnahme haben wir in dem anberaumten Zeitrahmen nicht erreicht. Doch es ist etwas anderes geschehen. Während mein Coachee in den anfänglichen Workshops eher zurückhaltend in der Gruppe agiert hatte, wurde sie vornehmend mutiger. Die persönliche Vorstellung in der Gruppe variierte sie fortan, zunehmend stand sie für sich ein und sagte, dass sie eine Beeinträchtigung mit dem Gehör hat.

Bevor sich unsere Wege trennten, hatte sie vor der kompletten Gruppe eine Präsentation gehalten. Ich war und bin immer noch so stolz auf sie. Ja, sie ist gut so wie sie ist!

 

Mein Tipp: Ich könnte in diese Welt hinein schreien: „Werdet menschlicher“! Allerdings wird Dir das keine Hilfe sein. Mache Dir bewusst, wenn Du etwas erreichen willst, dann stehe für Dich ein, denn alle Kompetenzen und Ressourcen liegen in Dir. Und ja, manchmal ist es wirklich so, dass Du einen Menschen brauchst der an dich glaubt und Dich ein Stück weit begleitet. Hier haben einige Wochen genügt, um das Selbstwertgefühl in Gesprächen soweit aufzubauen, dass die Frau für sich angenommen hat, dass sie so gut ist wie sie ist. Jetzt heißt es dran bleiben!

01. 06. 2020 | Claudia Spengler

Kommentare

Toller Blog Beitrag. Spannend die Entwicklung des Coachees mit zu erleben. Jeder hat ein Handicap, größer oder kleiner. Man kann daran arbeiten, und die Begleitung eines Coaches, bringt Erfolge.
Kommentar von Christina Wunsch, 25.05.2020 um 11:23 Uhr




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